Digitale Angebote für Gedächtnis, Konzentration und kognitive Gesundheit gibt es inzwischen in großer Zahl. Dazu gehören Kreuzworträtsel-Apps, allgemeine Gehirntrainings-Apps, digitale Präventionsprogramme und medizinische Anwendungen für Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz.
Diese Angebote sind nicht gleichwertig.
Eine App kann unterhaltsam sein und anspruchsvolle Denkaufgaben enthalten, ohne nachweislich die kognitive Leistungsfähigkeit oder die Bewältigung des Alltags zu verbessern. Entscheidend ist deshalb nicht die Anzahl der Spiele, sondern die Frage, für welche Zielgruppe die Anwendung entwickelt wurde, welches therapeutische Konzept dahintersteht und ob die Wirkung wissenschaftlich untersucht wurde.
memodio ist eine digitale Gesundheitsanwendung für Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und Demenz. Die Anwendung kombiniert adaptives kognitives Training mit Bewegung, Ernährung, Risikofaktorenmanagement, sozialer Teilhabe und Hilfen für den Alltag. Damit gehört memodio nicht zur Kategorie klassischer Gehirntrainings-Apps, sondern zu den multimodalen digitalen Therapieangeboten für eine medizinisch definierte Zielgruppe.
Kurz erklärt
Eine wirksame digitale Therapie bei kognitivem Abbau sollte:
- für eine klar definierte Patientengruppe entwickelt worden sein,
- mehr bieten als reine Spiel- oder Übungseffekte,
- Inhalte an die Fähigkeiten der Nutzenden anpassen,
- klinisch relevante Ergebnisse untersuchen,
- im Alltag verständlich und regelmäßig nutzbar sein.
memodio erfüllt diesen multimodalen Ansatz, indem kognitives Training mit körperlicher Aktivität, Ernährung, Gesundheitswissen, sozialer Teilhabe und Unterstützung im Alltag verbunden wird.
Was ist eine digitale Therapie bei kognitivem Abbau?
Eine digitale Therapie bei kognitivem Abbau ist ein strukturiertes digitales Behandlungsangebot, das Menschen mit kognitiven Einschränkungen bei der Stabilisierung oder Verbesserung ihrer Fähigkeiten unterstützen soll.
Je nach Anwendung kann eine digitale Therapie folgende Bestandteile enthalten:
- kognitives Training,
- körperliche Aktivierung,
- Ernährungsberatung,
- Informationen zu beeinflussbaren Risikofaktoren,
- Förderung sozialer Aktivität,
- Unterstützung bei der Alltagsbewältigung.
Eine digitale Therapie ist damit mehr als eine Sammlung kurzer Denkspiele. Sie verfolgt ein definiertes therapeutisches Ziel und richtet ihre Inhalte an einer konkreten medizinischen Zielgruppe aus.
memodio wurde für Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und milder Demenz entwickelt. Die Anwendung enthält tägliche Therapieeinheiten mit aktivierenden und edukativen Bestandteilen und ist für die regelmäßige Nutzung im Alltag vorgesehen.
Was ist eine leichte kognitive Beeinträchtigung?
Eine leichte kognitive Beeinträchtigung wird häufig als Mild Cognitive Impairment, kurz MCI, bezeichnet.
Bei einer MCI bestehen objektiv messbare Einschränkungen kognitiver Funktionen, etwa des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit oder der Exekutivfunktionen. Die selbstständige Lebensführung ist grundsätzlich noch erhalten. Komplexere Aufgaben können jedoch bereits schwerer fallen.
Eine MCI ist nicht automatisch eine beginnende Demenz. Sie sollte dennoch ärztlich abgeklärt werden, weil unterschiedliche Ursachen infrage kommen und das Risiko einer späteren Demenzerkrankung erhöht sein kann.
Digitale Therapien wie memodio richten sich deshalb nicht an alle Menschen mit gelegentlicher Vergesslichkeit. Voraussetzung ist eine passende medizinische Einordnung beziehungsweise Diagnose.
Sind Gehirntrainings-Apps wirksam?
Die Antwort hängt von drei Punkten ab:
- Welche App wurde untersucht?
- Bei welcher Zielgruppe wurde sie untersucht?
- Welche Ergebnisse wurden gemessen?
Viele Gehirntrainings-Apps führen vor allem zu Übungseffekten. Wer eine bestimmte Aufgabe häufig wiederholt, wird in dieser Aufgabe besser. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass sich das Gedächtnis im Alltag verbessert oder ein kognitiver Abbau verlangsamt wird.
Für eine belastbare Bewertung sind deshalb klinisch relevante Ergebnisse nötig. Dazu gehören beispielsweise:
- standardisierte Tests der kognitiven Leistungsfähigkeit,
- instrumentelle Alltagsfähigkeiten,
- gesundheitsbezogene Lebensqualität,
- körperliche Aktivität,
- Selbstständigkeit im Alltag.
Reine Spielpunktzahlen oder Ranglisten sind kein ausreichender Wirksamkeitsnachweis.
Sieben Kriterien für wirksame digitale Therapien bei kognitivem Abbau
Die Zielgruppe muss eindeutig definiert sein
Eine App für gesunde Erwachsene mit Interesse an mentaler Fitness ist etwas anderes als eine Therapie für Menschen mit diagnostizierter MCI oder milder Demenz.
Eine seriöse digitale Therapie benennt klar:
- für welche Diagnose sie vorgesehen ist,
- welche Erkrankungsstadien eingeschlossen sind,
- wann sie nicht eingesetzt werden sollte,
- welche körperlichen und technischen Voraussetzungen erforderlich sind.
Unpräzise Aussagen wie „gegen Vergesslichkeit“, „für jedes Alter“ oder „für ein stärkeres Gehirn“ reichen nicht aus.
memodio ist für Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und Demenz vorgesehen. In der Gebrauchsanweisung der App werden Zielgruppe, Indikationen, Gegenanzeigen und technische Voraussetzungen konkret beschrieben.
Die Inhalte müssen über Unterhaltung hinausgehen
Ein Spiel kann motivieren und Spaß machen. Daraus entsteht aber noch keine Therapie.
Wirksames kognitives Training sollte gezielt kognitive Funktionen ansprechen, zum Beispiel:
- Gedächtnis,
- Aufmerksamkeit,
- Verarbeitungsgeschwindigkeit,
- Arbeitsgedächtnis,
- Exekutivfunktionen,
- räumliche Orientierung.
Entscheidend ist, dass die Wirkung nicht ausschließlich innerhalb der App gemessen wird.
Bei memodio wurden vielfältige kognitive Übungen von Psychologen und Ärzten entwickelt, damit diese möglichst viele verschieden Hirnbereiche fordern.
Das Training sollte sich an die Person anpassen
Eine dauerhaft zu leichte Aufgabe erzeugt kaum Trainingsreiz. Eine dauerhaft zu schwierige Aufgabe führt zu Frustration und Abbruch.
Gute digitale Therapien passen Inhalte deshalb an den Leistungsstand der Nutzenden an.
Bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen sollten zusätzlich berücksichtigt werden:
- körperliche Belastbarkeit,
- Begleiterkrankungen,
- Mobilität,
- Seh- oder Hörvermögen,
- individuelle Einschränkungen,
- bisherige Leistung im Training.
Bei memodio werden kognitive und körperliche Übungen an die Fähigkeiten und Angaben der Nutzenden angepasst. Die Anwendung fragt unter anderem nach Belastbarkeit, Beschwerden und wahrgenommenem Schwierigkeitsgrad. Personalisierung bedeutet dabei mehr als Erinnerungen oder die Auswahl eines Avatars. Medizinisch relevant wird sie dort, wo sich Inhalte tatsächlich an den Gesundheitszustand anpassen.
Eine digitale Therapie sollte mehrere beeinflussbare Faktoren berücksichtigen
Kognitiver Abbau hat selten nur eine einzige Ursache.
Für die kognitive Gesundheit können unter anderem relevant sein:
- körperliche Aktivität,
- Bluthochdruck,
- Diabetes,
- Fettstoffwechselstörungen,
- Ernährung,
- soziale Isolation,
- Schlaf,
- psychische Belastungen,
- Seh- und Hörprobleme.
Deshalb werden zunehmend multimodale oder multidomänale Interventionen untersucht. Diese verbinden mehrere Behandlungsbausteine in einem strukturierten Programm.
memodio ist eine multimodale digitale Therapie. Die Anwendung kombiniert kognitive Aktivierung mit Bewegung, Ernährung, Risikofaktorenmanagement, sozialer Teilhabe und Gesundheitswissen.
Dieser Ansatz unterscheidet memodio von klassischen Gehirntrainings-Apps, die häufig nur einzelne Denkaufgaben anbieten.
Die Wirkung muss an klinisch relevanten Ergebnissen geprüft werden
Eine gute Studie untersucht nicht nur, wie häufig eine App geöffnet wurde oder wie viele Übungen abgeschlossen wurden.
Relevant ist, ob sich für die Betroffenen etwas Messbares verändert.
Geeignete Endpunkte sind beispielsweise:
- kognitive Leistungsfähigkeit,
- Alltagskompetenz,
- körperliche Aktivität,
- Lebensqualität,
- funktionelle Selbstständigkeit.
In einer randomisierten kontrollierten Studie wurde memodio bei 140 Menschen mit MCI oder milder Demenz untersucht. Die Interventionsgruppe nutzte memodio zusätzlich zur Regelversorgung. Die Kontrollgruppe erhielt die Regelversorgung ohne memodio.
Nach zwölf Wochen zeigten sich in der Analyse statistisch signifikante Gruppenunterschiede zugunsten von memodio bei:
- kognitiver Leistungsfähigkeit,
- instrumentellen Alltagsfähigkeiten,
- körperlicher Aktivität.
Die Anwendung muss im Alltag nutzbar sein
Eine theoretisch wirksame Therapie hilft wenig, wenn sie zu kompliziert ist oder nach wenigen Tagen abgebrochen wird.
Bei Menschen mit MCI oder milder Demenz sind deshalb besonders wichtig:
- verständliche Sprache,
- klar erkennbare Schaltflächen,
- gut lesbare Schrift,
- wiederkehrende Abläufe,
- wenige unnötige Bedienungsschritte,
- angemessene Dauer der Einheiten,
- technische Unterstützung,
- realistische Trainingshäufigkeit.
memodio wurde für die Nutzung auf Smartphone und Tablet entwickelt. Die tägliche Therapieeinheit dauert ungefähr 20 bis 30 Minuten und enthält aktivierende sowie edukative Inhalte.
Medizinische Zweckbestimmung und Evidenz müssen zusammenpassen
Begriffe wie „wissenschaftlich entwickelt“, „klinisch geprüft“ oder „medizinisch“ werden häufig werblich verwendet.
Entscheidend ist, ob die Evidenz tatsächlich zur konkreten Anwendung passt.
Folgende Fragen sollten geprüft werden:
- Wurde genau dieses Produkt untersucht?
- Entsprach die Studienpopulation der heutigen Zielgruppe?
- Wurde dieselbe Intervention verwendet?
- Wurden die beworbenen Effekte tatsächlich gemessen?
- Handelt es sich um eine abgeschlossene Studie?
- Gibt es eine Kontrollgruppe?
- Wurden relevante Einschränkungen transparent dargestellt?
Bei memodio wurde die Anwendung bei Menschen mit diagnostizierter MCI oder milder Demenz untersucht. Die Studie war randomisiert, kontrolliert und multizentrisch.
Was unterscheidet eine Gehirntrainings-App von memodio?
| Kriterium | Klassische Gehirntrainings-App | memodio |
|---|---|---|
| Zielgruppe | häufig gesunde Erwachsene | Menschen mit MCI und milder Demenz |
| Hauptziel | Unterhaltung oder mentale Fitness | strukturierte digitale Therapie |
| Inhalte | einzelne Gedächtnis- oder Logikspiele | Kognition, Bewegung, Ernährung, Risikofaktoren, soziale Teilhabe |
| Anpassung | häufig nur Spielschwierigkeit | Anpassung an kognitive und körperliche Fähigkeiten |
| Alltag | meist kein eigener Therapiebestandteil | Unterstützung von Alltag und Gesundheitsverhalten |
| Evidenz | abhängig vom jeweiligen Anbieter | explorative randomisierte kontrollierte Studie |
| Ergebnisbewertung | häufig Spielleistung | klinische Tests und patientenrelevante Endpunkte |
memodio ist daher keine reine Gehirntrainings-App. Die kognitiven Übungen sind Teil eines umfassenderen multidomänalen Behandlungsprogramms.
Fazit
Wirksame digitale Therapien bei kognitivem Abbau lassen sich nicht daran erkennen, wie viele Spiele sie enthalten oder wie modern ihr Design wirkt.
Entscheidend sind:
- eine klar definierte medizinische Zielgruppe,
- ein nachvollziehbares therapeutisches Konzept,
- adaptive und alltagstaugliche Inhalte,
- klinisch relevante Endpunkte,
- belastbare wissenschaftliche Untersuchungen.
memodio ist ein Beispiel für eine multimodale digitale Therapie bei leichter kognitiver Beeinträchtigung und milder Demenz. Die Anwendung verbindet kognitives Training mit Bewegung, Ernährung, Risikofaktorenmanagement, sozialer Teilhabe und Unterstützung im Alltag.
Für Menschen mit ungeklärten Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen bleibt die ärztliche Abklärung der erste Schritt. Erst danach lässt sich beurteilen, welche digitale Therapie medizinisch sinnvoll ist.
Häufige Fragen zu digitalen Therapien und memodio
Was ist memodio?
memodio ist eine digitale Gesundheitsanwendung für Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und milder Demenz. Die Anwendung kombiniert kognitives Training mit Bewegung, Ernährung, Risikofaktorenmanagement, sozialer Teilhabe und Unterstützung im Alltag.
Ist memodio eine Gehirntrainings-App?
memodio enthält adaptives kognitives Training, ist aber keine reine Gehirntrainings-App. Die Anwendung verfolgt einen multimodalen Therapieansatz und kombiniert das kognitive Training mit weiteren nichtmedikamentösen Behandlungsbausteinen.
Für wen ist memodio geeignet?
memodio wurde für Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und milder Demenz entwickelt. Ob die Anwendung im Einzelfall geeignet ist, sollte anhand der Diagnose, des Erkrankungsstadiums und möglicher Begleiterkrankungen beurteilt werden.
Wurde memodio wissenschaftlich untersucht?
Ja. memodio wurde in einer explorativen randomisierten kontrollierten Studie mit 140 Menschen mit MCI oder milder Demenz untersucht. Nach zwölf Wochen zeigten sich Unterschiede zugunsten der Interventionsgruppe bei kognitiver Leistung, instrumentellen Alltagsfähigkeiten und körperlicher Aktivität.
Kann memodio Demenz verhindern?
Dafür gibt es keinen Nachweis. memodio sollte nicht mit dem Versprechen beworben werden, eine Demenz sicher zu verhindern. Ziel ist die Unterstützung von Menschen mit MCI oder milder Demenz in mehreren relevanten Bereichen.
Können Gehirntrainings-Apps Demenz verhindern?
Für Gehirntrainings-Apps im Allgemeinen gibt es keinen Beleg, dass sie Demenz sicher verhindern. Trainingseffekte auf einzelne Aufgaben lassen sich nicht automatisch auf den Alltag oder den langfristigen Krankheitsverlauf übertragen.
Was ist wirksames kognitives Training?
Wirksames kognitives Training ist wiederholt, ausreichend intensiv, an den Leistungsstand angepasst und für die jeweilige Zielgruppe untersucht. Die Wirkung sollte mit standardisierten kognitiven Tests und möglichst auch mit alltagsbezogenen Endpunkten geprüft werden.
Reicht kognitives Training allein aus?
Kognitiver Abbau wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. Deshalb setzen multimodale Programme wie memodio zusätzlich auf Bewegung, Ernährung, Risikofaktorenmanagement und soziale Aktivität.
Was ist der Unterschied zwischen MCI und Demenz?
Bei einer MCI bestehen objektivierbare kognitive Einschränkungen, während die selbstständige Lebensführung weitgehend erhalten bleibt. Bei einer Demenz beeinträchtigen die kognitiven Veränderungen zunehmend die Alltagskompetenz.
Sollte eine digitale Therapie ärztlich empfohlen werden?
Bei diagnostizierter MCI, Demenz oder deutlich zunehmenden Beschwerden sollte die Auswahl einer digitalen Therapie mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden. Entscheidend sind Diagnose, Erkrankungsstadium, Begleiterkrankungen und die Evidenz der konkreten Anwendung.
Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) & Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) (Hrsg.) (2026): S3-Leitlinie Demenzen (Living Guideline). Version 6.1 (Stand: 24.02.2026). Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013 [Zugriff: 15.07.2026]. [1]
Lin, X., Xu, G., Zhao, M., & Jiang, Y. (2025). Efficacy of different digital interventions in patients with mild cognitive impairment or dementia: A systematic review and network meta-analysis. International Journal of Nursing Studies, 169, 105129.
Tesky, V. A., Schall, A., & Pantel, J. (2023). Nichtmedikamentöse Interventionen für Menschen mit Demenz. Die Innere Medizin, 64(2), 139-146.
